Abschied von Stadtsuperintendent Puschmann

Rede des Vertreters des Hauses der Religionen anlässlich der Verabschiedung von Stadtsuperintendent Wolfgang Puschmann 

Verehrte Damen und Herren,
lieber Herr Puschmann,

Menschen in unserem Alter haben häufig das Gefühl, die Zeit verlaufe schnell dahin. Und wenn ich an den Beginn Ihrer Arbeit als Stadtsuperintendent denke, kommt es mir vor, als wäre es vorgestern. Jedoch aus dem Blickwinkel der Entwicklungen auf der Ebene des interreligiösen Dialoges ist während dieser Zeit derartig viel Entscheidendes geschehen, dass ich den Eindruck habe, es seien Jahrzehnte vergangen.

Wenn ich an das Haus der Religionen denke, erinnere ich mich an den Spruch des deutschen Literaten Hans-Henny Jahn aus seinen jungen Jahren, der lautete: „Ich bin berühmt, es hat sich nur noch nicht herumgesprochen“. Dasselbe möchte ich auf das einzigartige und visionäre Haus der Religionen beziehen.

Wir leben in einer Zeit, in der die Religions- und Gewissensfreiheit auf der Welt noch weniger selbstverständlich erscheint als noch vor 60 Jahren. Religiös motivierte Gewalt, Verfolgungen und Auseinandersetzungen sind in vielen Ecken der Welt häufiger an der Tagesordnung als hierzulande große Sportereignisse.

In so einer Zeit stiftet die größte religiöse Gemeinschaft in unserer Stadt ein Haus der Religionen, in dem dialogwillige Menschen aus vielen Religionsgemeinschaften friedvoll miteinander Umgang pflegen, geistige Themen besprechen, ihre Sorgen und Erwartungen artikulieren und sich gleichzeitig in die eigene religiöse Tradition vertiefen und auf diese Weise nachhaltig zum Frieden innerhalb unserer Gesellschaft beitragen können.

Wenn das kein Vorzeigemodell für unsere unruhige Welt ist, was denn sonst? Wie wunderbar wäre, wenn große Religionsgemeinschaften weltweit und in jeder Stadt ein Haus der Religionen nach dem Hannoverschen Vorbild stiften würden.

Das Haus der Religionen von Hannover ist noch eine junge und zarte Pflanze. Gutwillige Menschen aus verschiedenen Religionsgemeinschaften pflegen sie, so gut sie können. Es ist aber auch der vorläufige Höhepunkt eines langjährigen Prozesses, an dem Sie, Herr Puschmann, entscheidend beteiligt waren und immer noch sind. Nicht nur in Ihrem ehrwürdigen Amt als Stadtsuperintendent, sondern auch und vor allem als der Mensch Wolfgang Puschmann.

In der Tradition der monotheistischen Religionen ist das Gleichnis vom Menschen als Abbild Gottes geläufig. Damit meinen wir, dass jeder Mensch die potentielle Fähigkeit in sich trägt, sich göttliche Vollkommenheiten und Attribute wie Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit, Liebe zur Menschheit und viele mehr anzueignen.

Es gibt jedoch Eigenschaften, die nicht zu den Attributen Gottes zählen und dennoch den wahren Menschen ausmachen. Demut, Bescheidenheit und Dienstbarkeit gehören z. B. nicht ohne weiteres zu den Attributen eines souveränen Schöpfers. Ohne sie verfehlt aber der Mensch seine wahre Bestimmung.

Diese Eigenschaften, verbunden mit dem verantwortungsvollen Amt des Stadtsuperintendenten, haben Sie, Herr Puschmann, in die Lage versetzt, derart viel innerhalb Ihrer Gemeinschaft und darüber hinaus zu bewegen und zu bewirken.

Bei den Begegnungen und Gesprächen mit Ihnen innerhalb und am Rande des interreligiösen Dialoges hat jeder von uns stets das Gefühl gehabt, mit einem vertrauten und liebevollen Bruder zu sprechen. Diese Begegnungen, verbunden mit ihrem stets gegenwärtigen Humor und ihre fürsorgliche Schirmherrschaft für das Haus der Religionen möchten wir auch künftig nicht vermissen und wünschen Ihnen in diesem Sinne einen langen und freudevollen Lebensabschnitt.

 

Ali Faridi

 

Hannover, den 30. 11. 2008