Neuer Hindutempel eingeweiht
Priester singen Mantras, Weihrauchduft liegt in der Luft, Blumen und Früchte werden in Schalen gelegt und angezündet. Tausend Hindus feierten an diesem Sonntag die Einweihung des neuen Tempels der Sri Muthumariamman in Hannover-Badenstedt.
„Wir wollen mit diesen Opfergaben die Götter besänftigen und in unseren Tempel einladen“, sagt Logeswaran Kuddithamby. Er ist der Vorsitzende des tamilischen Hindu-Kulturvereins, den Tempel finanziert hat. Hannover beherbergt damit vor Bremen und Hamburg den größten Hindu-Tempel Norddeutschlands.
Bereits bis 10 Uhr sind fast 1000 Hindus aus ganz Deutschland gekommen, um der Hauptzeremonie beizuwohnen. Wer sich einen Weg durch die in bunte Gewänder gekleideten Gläubigen in das Innere des unauffälligen Flachbaus im Industriegebiet bahnt, wird belohnt mit dem Anblick kunstvoll gefertigter Schreine, geschmückt mit bunten Götterstatuen. Auffallend ist der besonders große Schrein im Zentrum der heiligen Stätte. Dorthin wurde zuvor unter den Jubelrufen der Anwesenden die Gottheit Muthumariamman getragen. Nun drängen sich die Besucher vor ihrem Schrein.
„Ihr zu Ehren wurde der Tempel gebaut“, erklärt Pirathib Kasanthakumar. Dabei ist er sichtlich bemüht, die Besucher zurückzuhalten. Denn alle versuchen, in einen vor dem Schrein aufgestellten Spiegel zu schauen. Der Spiegel reflektiere die Energie Muthumariammans und gebe den Gläubigen Kraft, sagt Kasanthakumar.
Nach der Prozession genießen die Gläubigen gemeinsam mit den Gästen ein Festmahl. Bereits seit Mittwoch laufen die aufwendigen Rituale. Mehrstündige Feuerweihen und Reinigungszeremonien wurden abgehalten, begleitet von den gesungenen Mantras des Priesters, um auch die anderen Gottheiten wie Ganesha und Skanda in den heiligen Ort zu holen. Dabei wurden die Statuen rituell gewaschen und geweiht.
„Eine Tempelweihung ist ein ganz besonderes Ereignis“, betont Pirathib Kasanthakumar. Deswegen leite auch ein extra aus Kanada eingeflogener Oberpriester mit mehreren Gastpriestern die Hauptzeremonie, die sogenannte Kumba Abishekam. „Für einen Hindu ist das ein einmaliges Erlebnis“, sagt er. Sein Priester habe immer wieder erzählt, dass eine einzige Einweihung so glückverheißend sei, wie zwölf Jahre lang jeden Tag zu beten. So lange zumindest existierte für die rund 300 Mitglieder der Hannoveraner Hindu-Gemeinde bereits ein angemieteter Raum als Provisorium in Badenstedt. „Der Raum wurde uns aber zu klein, und wir wollten sowieso schon immer einen eigenen Tempel bauen“, sagt Vorsitzender Kuddithamby. Größtenteils Spenden und ein Kredit machten den Bau möglich. Die Gottheiten sind nach ritueller Tradition im indischen Mamalapuram von Hand gestaltet und per Schiff nach Deutschland transportiert worden.
„Der neue Tempel sorgt für eine Vielfalt der Religionen in Hannover“, sagt Hannovers Bürgermeisterin Ingrid Lange (Grüne), die zusammen mit Badenstedts Bezirksbürgermeister Wilfried Gunkel (SPD) der Einladung zur Eröffnung gefolgt ist. Sie wohne in diesem Stadtteil und habe daher schon während der Bauarbeiten öfter mal vorbeigeschaut, sagt Lange. „Besonders beeindruckt hat mich die Höflichkeit und Fröhlichkeit der HinduGemeinde“, sagt sie. Gunkel steht derweil, geschmückt mit einer Blumenkette, im Tempel. „Ich finde es faszinierend, diese Kultur selbst mitzuerleben“, sagt er. Zwar fehle ihm das Wissen, um das religiöse Zeremoniell voll zu verstehen, aber interessant finde er das schon. Besonders freue ihn, dass das Tempelgebäude ohne irgendwelche Einwände der Anwohner errichtet wurde. „Die Vorbehalte sind raus aus den Köpfen“, sagt Gunkel.
ddp, 22.3.2009




