Multireligiöses Gedenkgebet für die Opfer von Paris

Etwa 500 Menschen haben in der Marktkirche bei einem multireligiösen Friedensgebet der Opfer der Terroranschläge von Paris gedacht.

"Wir wollen aus Hannover ein Signal nach Paris und nach ganz Europa senden, dass wir mit den Opfern solidarisch sind", sagte der christliche Sprecher des Rates der Religionen, Propst Martin Tenge.

Die muslimische Sprecherin des Rates, Hamideh Mohagheghi, rief dazu auf, jeder Form von Extremismus und Fanatismus entschieden zu widerstehen. "Diese Gewalttaten zeigen uns, wohin Verblendung und Hass angeblich im Namen der Religion führen können", sagte sie. "Wir dürfen nicht zulassen, dass derartige Brutalität das gute Zusammenleben unter uns ins Schwanken bringt." Gott verbiete solche "schändlichen, verwerflichen" Gewalttaten, betonte Mohagheghi. "Unser Mitgefühl gehört den Opfern, ihren Familien und dem ganzen französischen Volk, die in diesen Stunden ihr Leid zu verarbeiten haben."

Für die jüdischen Gemeinden rief Ingrid Wettberg dazu auf, sich durch den Terror nicht einschüchtern zu lassen: "Das wird diesen Mördern nicht gelingen, da bin ich mir ganz sicher."

An dem Gebet, zu dem der Rat der Religionen gemeinsam mit der Marktkirche eingeladen hatte, nahmen unter anderen Oberbürgermeister Stefan Schostok, Bürgermeister Thomas Hermann, der evangelische Landesbischof Ralf Meister, der Vorsitzende des Landesverbands der Muslime in Niedersachsen, Avni Altiner, Rabbiner Gabor Lengyel, die niedersächsische Integrationssbeauftragte Doris Schröder-Köpf, der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder sowie SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi teil.

 

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Stellungnahme des christlichen Sprechers des Rates der Religionen zu den Anschlägen von Paris:

Unbeschreibliche Gewalt

Mit tiefer Trauer um die Opfer und mit Abscheu gegenüber den Tätern erfassen mich die Nachrichten um die schrecklichen Terroranschläge von Paris am gestrigen Abend. Es ist unfassbar, welche sinnlose Gewalt hier an Menschen verübt worden ist.

Wir denken intensiv und begleitet von unseren Gebeten an die Opfer. Wir denken an die ermordeten Menschen und die z.T. sehr schwer verletzten Menschen. Wir denken an die schockierten und traumatisierten Menschen in Paris und überall auf der Welt. Und wir denken an die Familien, Angehörigen und Freunde, die Ihnen wichtige und liebe Menschen verloren haben und mit den Verletzten leiden.

Die unglaubliche Opferstatistik schockiert zutiefst. Zugleich sind die Auswirkungen der Verunsicherung auf die Menschen spürbar. Der Terrorismus macht nirgends halt und ist dabei insofern besonders perfide, weil er sich selber nicht angreifbar macht. Daraus resultieren u.a. Hilflosigkeit und zugleich Wut. Ich bin sprachlos und möchte zugleich den Tätern meinen Zorn ins Angesicht schreien.

Mich erschüttert, dass es wiederum Terroristen sind, die ihr unmenschliches Handeln mit religiösen Motiven begründen. Es steht zu befürchten, dass sie damit nicht nur Menschenleben vernichtet haben, sondern das Vertrauen unter den Menschen zerstören wollen. Deshalb muss Extremismus und Terrorismus, auch und gerade der, der sich auf die Religion beruft, entschieden bekämpft werden.

Die Aufgabe aller Menschen bleibt es, sich für eine demokratische, freiheitliche Gesellschaft einzusetzen. Unsere deutschen und europäischen Werte der Freiheit und Demokratie, der Menschenrechte und der Menschenwürde, der Meinungsfreiheit und der Toleranz müssen nicht nur gewahrt, sondern mit Leben erfüllt werden.

Auch und besonders die Bedeutung der Religions- und Weltanschauungsfreiheit muss in unserer Gesellschaft reflektiert und mit neuem Bewusstsein gefüllt werden. Es gibt mit diesen Werten immer eine Freiheit zu und eine Freiheit von Religion und Weltanschauung. Für alle Menschen in unserer Gesellschaft, seien sie persönlich religiös oder nicht-religiös geprägt, ist die Religions- und Weltanschauungsfreiheit ein unverzichtbares Gut. Niemand darf gezwungen werden, sich einer bestimmten Religion anschließen zu müssen. Es darf aber auch niemand gezwungen werden, nicht-religiös zu sein. Nur in dieser verbürgten grundsätzlichen Freiheit können wir eine friedvolle Gesellschaft gestalten, in der die Freiheit des einen die Freiheit der anderen nicht einschränkt. Daher hat religiöser Extremismus bei uns keinen Platz!

Unser Gebet und Mitgefühl gilt allen, die sich in diesen Tagen betroffen und angegriffen fühlen. Mögen wir als Staat, als Kirchen und Religionsgemeinschaften und als gesamte Gesellschaft aus diesen schrecklichen Ereignissen richtige Konsequenzen ziehen, die dem Frieden und der Freiheit aller dienen und vor Terror und Hass schützen.

Propst Martin Tenge